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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Bass Reviews
Moulin Offline



Beiträge: 1.074

12.03.2012 10:06
Fender Jaguar Bass Antworten

Leo Fender, der Urvater der elektrischen Solidbody Massenware hat seine Instrumente nicht, wie man vielleicht denken könnte parallel entwickelt sondern das gerade erlangte und umgesetzte Wissen darüber in das nächste, von ihm entworfene Instrument einfließen lassen, und zwar unabhängig davon ob als Folge - Instrument nun ein Bass oder eine Gitarre folgen sollte.
So wurden Verbesserungen, die man der ersten Fender Solid Body Gitarre, der Esquire/Telecaster Gitarre angedacht hatte zunächst am folgenden, ersten Precision Bass umgesetzt, und dem folgte dann schon bald die Stratocaster Gitarre.
Die bei der Strat verwendete neue, konturierte Form wurde dann gleich auf den ersten E Bass als Modellpflege übertragen und daraus folgend das zweite Bassmodell entwickelt und ab Sommer 1957 auf den Markt gebracht.
Zwischendurch gab es in der ganzen Fender Geschichte immer wieder die etwas unbekannteren Nischen Modelle die ich hier jetzt mal Themengerecht auslassen möchte.

Im Sommer 1958 brachte Fender die Jazzmaster Gitarre auf den Markt. Es sollte das Top Modell werden aber die Jazzmaster entwickelte sich zum Ausnahmeinstrument und wurde letzendlich eine Gitarre für die, die etwas anders sein wollten als die große Masse!



Im Jahr 1960 folgte dieser neu entwickelten und comicmäßig, futuristisch wirkenden Jazzmaster - Gitarre ein neues Bass Modell, das sich auch heute noch unter dem Namen Jazz Bass großer Popularität erfreut. Der Prototyp dieses Jazz Bass war noch mit breiteren, optisch der Jazzmaster Gitarre ähnlichen Pickups ausgestattet, die dann schließlich noch vor dem Verkaufsstart den heute bekannten Jazz Bass Pickups weichen mussten.
Nach weiteren Überarbeitungen wurden immer mehr Detailkomponenten verbaut, die das Modell als Bass - Flagschiff auf dem Markt etablieren sollten. So wurde er schon bis zur Mitte der Mitte der 60 er Jahre mit Hals - Binding,großen Blockinlays und Matching headstock (bei Custom Colores) ausgestattet.


(Fender Katalog um 1970)



Als eine weitere Entwicklung von Jazzmaster und Jazz Bass kam 1961 der Fender VI. Er schlug damals tatsächlich die Brücke zwischen Gitarre und Bass!



Dieses Bassmodell mit sechs Saiten und einem der Jazzmaster ähnlichen Korpus erregte Aufsehen. Nicht Fleisch, nicht Fisch könnte man sagen, denn dieses Bass Modell fristete sein Dasein als Bassersatz in Musikstudios und gerne entsprechend gestimmt als Bariton Gitarre verwendet. Die Ursprüngliche Stimmung war jedoch E-A-D-G-H-E. Teilweise wurde der Fender VI auch genutzt um in Bands analog zum Kontrabass den Basslauf zu spielen. Eine Technik, die in den USA als Tic-Tac-Bass bekannt wurde. In Deutschland nannte man es Knack-Bass, und man hört es in der Musik der 60 er Jahre von Bert Kämpfert.
Als Studio Bass findet man ihn in den Musik - Stücken der größten Stars des Musikgeschäftes wieder und das liegt daran, dass Gitarristen kaum Schwierigkeiten hatten sich auf diesem Bass zurecht zu finden. George Harrison z.B. spielte Bassläufe mit dem Fender VI ein als Paul McCartney den Höfner zur Seite legte um am Klavier zu sitzen.


1962 erschien parallel zur Jazzmaster, die namentlich eher jazzer ansprechen sollte eine Gitarre für die 'fast Player' und entsprechend sollte der Name ihrem Ruf voraus eilen. Das Modell war kurz - mensurig und auch optisch schnell.


(Fender Katalog um 1970)




Als die Jaguar Gitarre auf den Mark drängte, hätte man vermuten können, dass der kurz vorher erschienene Fender VI, der nie einen besser klingenden Namen als diese römischen Zahl bekam, eigentlich auch der erste Jaguar Bass sein sollte. Hätte man ihm damals eine 34'' Mensur gegönnt wäre ihm der Name sicher auch ganz gut bekommen, doch der Jaguar Bass ließ tatsächlich sehr lange auf sich warten. Genauer gesagt weit über vierzig Jahre bis zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts...

Moulin Offline



Beiträge: 1.074

13.03.2012 10:16
#2 RE: Fender Jaguar Bass Antworten

Der neue Jaguar Bass von Fender Japan wurde etwa 2004 (?) innerhalb der 'Deluxe Serie' vorgestellt. Zunächst in Europa und USA nur in Weiß und Rot erhältlich wurde er ab 2008 dann weltweit in den bis dahin nur in Japan verfügbaren, weiteren zwei Farben schwarz und Sunburst verkauft. Die vier Farben waren im Laufe der Jahre auf drei reduziert worden. Weiße Jaguar sind daher eher selten anzutreffen.




Wenn man bedenkt, dass ein der Jaguar Gitarre folgender Bass nun mehr als 40 Jahre auf sich warten ließ, hatte man bei Fender auch die Möglichkeit 42 Jahre Bass- und Gitarrenentwicklung, die dann der Jaguar Gitarre folgte in das Jaguar Bass Modell einfließen zu lassen. Er sollte daher über viele Feinheiten der Fender Geschichte verfügen, die man vielleicht gar nicht so sehr wahrnimmt, wenn man einen Bass nur oberflächlich betrachtet.
Sieht man das Ganze aber unter einem historischen Wert, wurde da tatsächlich vieles zusammengewürfelt, was nicht unbedingt zusammen gehört!


Mein Test Bass stammt aus der Produktion von Fender Japan und verfügt über eine Aktiv Elektronik.




Der Hals

Auf dem Fender Jaguar Bass verbaute man einen klassischen Mid 60s Jazz Bass Hals in Longscale Mensur, der klassisch stärkeren Griffbrettwölbung von 7.25", einem Maching Headstock und großen Perlmutt Block Inlays, die farblich geaged wirken und wurde mit Komponenten der 70 er Jahre wie Headstock - Logo und oberem Zugang zur Halseinstellschraube vermischt.
Während alte Jazz Bass- und andere alte Fenderhälse mit Block Inlays automatisch auch Bindings hatten, muss der Jaguar auf diese optisch sehr ansprechende Komponente verzichten.



Trotz fehlender Bindings wurden aber immerhin die Kanten des Halses entsprechend der alten Fender Bässe zum Griffbrett hin abgerundet. Das macht ein sehr angenehmes Spielgefühl und wirkt wertiger.
Das helle Ahorn Holz des Halses wurde etwas dunkler gebeizt.










Die Palisanderauflage ist entsprechend der Jazz Bässe von 1960 bis Ende 1962 dick und 'flat' (nicht 'curved' wie von 1963 bis 1966) laminiert.





Technik

Wie der Fender Bass VI besitzt auch der Jaguar Bass im unteren Teil eine Kontrollplatte mit Klinkenbuchse, passivem Master Tone und Master Volume. Der
Tone Regler hat, wie die Jazz Bässe der 1970er Jahre einen 22 nF Kondensator (die Jazz Bässe der 1960er Jahre haben einen 50 nF Kondensator).
Am unteren Horn sitzen wie beim Bass VI drei Schalter auf einer weiteren Kontrollplatte. Die ersten beiden Schalter sind An-/Aus-Schalter für Hals- und
Steg-Pickup. Da der Jaguar im Gegensatz zum Bass VI keinen Mittel-Pickup hat, dient dieser Schalter dazu, die beiden 'Jazz Bass Pickups' parallel oder seriell zu schalten.


(Bild: Andreas Kuehn)





Am oberen Horn befindet sich eine dritte Kontrollplatte. Mit dem Schalter kann man zwischen Aktiv und Passiv wählen. Im Aktiv Modus diesen die beiden als
Rädchen ausgelegten Potis als aktive Höhen- und Bassreglung. Aber zum Klang komme ich später.





Elektronik:


(Bild: Andreas Kuehn)


Die Farbe, die als Hot Rod Red bezeichnet wird, ähnelt dem Dakota Rot der 60 er Jahre, ist hier beim neuen Bass jedoch durch den Polyurethan Lack ein wenig glänzender und auch kräftiger. Das Pickguard zeigt sich in einem leichten, kaum erkennbaren Mint Grün. Schon aus einem Meter Entfernung wirkt es cremig weiß.




Die Enden der Saiten laufen über die geriffelten Reiter einer klassische Vintage Brücke, die von 1959 bis 1969 auf dem Fender Jazz- und Precision Bass verbaut wurde. Die Vorteile dieser Rillen liegen darin, dass man die Möglichkeit hat die Saiten seitlich zu justieren um eine bessere Pickup Balance zu bekommen.








Klang

Soundtechnisch geht der Bass in Richtung 70s Jazz Bass, ist trotz aller Knöpfe und Regler aber nicht genauso in der Feinjustierung zu regeln. Man hat hier nicht die Möglichkeit die einzelnen Pickups in der Lautstärke getrennt von einender zu regeln sondern nur jeweils zuzuschalten um dann mit einem einzigen Volume Regler beide PU's gleichzeitig lauter oder leiser zu drehen. Das Umschalten der Pickups von seriell auf parallel bringt mehr Bässe weil so beide Pickups wie ein fetter Humbucker agieren. Der Bass verliert dadurch nach meiner Einschätzung aber auch an Kontur, wobei das in erster Linie Geschmackssache ist.

Zudem hat man die Möglichkeit eine Batterie einzusetzen um die Aktivelektronik zu nutzen. Der Bass gewinnt dadurch ganz deutlich an Volumen wobei man sich aber von den Regelmöglichkeiten dieser Elektronik nicht all zu viel versprechen sollte. Den Höhenanteil, den man zuregeln könnte benötigt man gar nicht, da das Instrument für seine Bestimmung ohnehin viel zu hochtönig klingt, nur das aktive Zuregeln von Basstönen ist da eine willkommene und notwendige Variationsmöglichkeit. Ob man für soetwas überhaupt eine Aktivelektronik gebraucht hätte ist für mich wirklich fragwürdig und wirkt eher wie ein zweifelhaft 'elitärer' Schnickschnack. Manchmal wäre weniger einfach mehr, aber der Jaguar zielt schon in eine Richtung in der er sich - genau wie seine Spieler - deutlich von der Masse absetzen will.

Tatsächlich kann diese, dem Bass mitgegebene Höhenlastigkeit der Tradition des alten Fender VI folgen, der seinerzeit nie dieses enorme Bass - Spektrum der Precision oder Jazz Bässe aufweisen konnte, und so gesehen wird dem Ganzen wieder ein Sinn gegeben, jedoch unterscheidet sich der Bass im Grundklang schon von seinem Vorbild Fender VI.

Wer sich in den Sounds der 60 er Jahre zu Hause fühlt, für die eine Fender Jaguar Gitarre prädestiniert ist, liegt mit einem Jaguar Bass völlig falsch, denn wenn man eines mit dem Bass nicht erreicht, dann ist das ein typischer Fender 60s Bass Sound!
Trotz Flatwound Saiten mit holziger Grundnote (Thomastik JF 344) trägt der Bass einen höhenlastigen, stark knurrenden Sound, der sich sehr gut im Indie Rock einfügen könnte. Auch Slapper kommen mit dem Bass absolut auf ihre Kosten.
Also ist das ein genialer Bass, der sich auf der Palette der modernen Musik zu Hause fühlt. Nicht unbedingt geeignet originalgetreue Vintage Sounds und somit ist der Bass mit mir und meinen persönlichen Soundvorstellungen nicht kompatibel.


Fazit:

Der Bass ist ein absolut gut verarbeitetes Spielgerät für moderne, knurrende Rocksounds. Spaltmaße sind wirklich bis auf den zehntel Millimeter genau. Die Bespielbarkeit ist so gut wie man sie sich nur wünschen kann, und diese Erfahrungen decken sich auch mit kürzlich getesteten Fender Deluxe Jaguar Bässen der aktuell neuen Auflage. Auch die waren anstandslos kaufwürdig.

Die Kopflastigkeit ist trotz der Form gering. Der Bass neigt sich auch nicht nach unten sondern nur bis in die Waagerechte, in der er dann da beharrlich und ausgewogen stehen bleibt.
Mit Ledergurt bleibt er da, wo man ihn haben will. Mein Test - Bass schafft es im Übrigen auf 4,37 Kg.

Warum Fender das Modell in den USA und Europa 2010 und in Japan Anfang 2011 vom Markt nahm ist nicht heraus zu bekommen. Ab Juli 2011 wurde er dann überraschenderweise erneut präsentiert. Diesmal in anderen Farben wie

Candy Apple Red



Cobalt Blue



Sunburst



Ich konnte schon zwei dieser neuen Jaguar Bässe testen und auch die waren beide außergewöhnlich gut verarbeitet.

Die ebenso aktuell aufgelegten Fender Jaguar Blacktop oder die Squier Jaguar Bässe möchte ich in diesem Review außen vor lassen weil sie auf Grund ihrer Bauarten und den verwendeten Komponenten nur die optische Grundform mit dem Fender Jaguar der Deluxe Serie gemeinsam haben, sind also völlig eigenständige Instrumente, die einen Vergleich nicht zulassen.




Mit freundlicher Unterstützung durch Andreas Kuehn

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